Brenzliger Einsatz: Setzelbacher Wehr machte Halt im Freudenhaus

Christoph
Wollte das eigentlich zuerst unter Fun posten...aber hier paßt es wohl doch besser.

Zitat:
SETZELBACH Büttenredner und Fastnachtswagenbauer rund um Rasdorf brauchten in diesem Jahr nicht lange nach einem Thema suchen. Die Steilvorlage für allerlei Gespött hatte im Sommer die Feuerwehr Setzelbach geliefert.
Nach der erfolgreichen Teilnahme am Bezirksentscheid der Feuerwehren des Kurhessisch-Waldeckschen Feuerwehrverbands in Korbach hatte die neunköpfige Mannschaft auf dem Heimweg bei Bad Hersfeld Halt gemacht – und sich eine Einkehr im „Hexenhäuschen“, einem weithin bekannten Freudenhaus, gegönnt. Die beiden feuerroten Einsatzwagen, das Tragkraftspritzenfahrzeug der Setzelbacher und der für die Fahrt eigens ausgeliehene Einsatzleitwagen der Rasdorfer Wehr, parkten derweil direkt vor dem Etablissement.
Doch Pech für die Setzelbacher: Ausgerechnet der Kreisbrandinspektor des Kreises Hersfeld-Rotenburg, Jürgen Weingarten, kam an diesem Tag von einem Termin von der A 4, fuhr an der Abfahrt Hersfeld-Ost ab – und somit direkt an dem ominösen Häuschen vorbei. Angesichts der beiden Feuerwehrautos stutzig geworden, hielt Weingarten an und sondierte die Lage. Da es sich ganz offensichtlich zwar um einen brenzligen, aber wohl keinen Rettungseinsatz handelte, hielt Weingarten die beiden Autos per Kamera fest und informierte umgehend seinen Fuldaer Kollegen, Kreisbrandinspektor Stefan Schmidt.

„Überdruck in der Leitung“

Der wiederum versuchte sofort den Rasdorfer Gemeindebrandinspektor Rainer Busold zu erreichen – schließlich stand dessen Einsatzleitfahrzeug ja vor der Bordelltür. Doch der ahnte derweil von all dem nichts, hatte sein Handy ausnahmsweise ausgeschaltet und sondierte gerade mit seinem Stellvertreter in dessen Pergola Angebote für einen Überdruckbelüfter, der für mögliche Brände in der historischen Stiftskirche angeschafft werden sollte.
„Inzwischen kann ich über die Episode schmunzeln, aber damals klang das schon alles recht dramatisch“, erzählt Busold. Als die Kameraden in Fulda ihn nämlich nicht per Handy erreichen konnten, piepsten sie ihn per Alarmfunk an – mit dem dringenden Hinweis, sich unverzüglich beim Kreisbrandinspektor zu melden. „Als ich dann die Situation erklärte und erwähnte, dass wir uns gerade mit dem Überdruckbelüfter beschäftigten, kam vom anderen Ende der Leitung nur: ,Naja, Deine Jungs scheinen ja auch gerade Überdruck in der Leitung zu haben ...‘“
Der Gemeindebrandinspektor fuhr sofort nach Hersfeld, um seine Setzelbacher Kameraden, die bis auf einen allesamt im Häuschen eingekehrt waren, höchstpersönlich „an den Ohren zu ziehen“ und nach draußen zu befördern. „Dass das erstmal eine saftige Standpauke gab, dürfte klar sein“, so Busold. Gemunkelt werde auch, dass den ein oder anderen Kameraden zu Hause von der Ehefrau noch ein weiteres Donnerwetter ereilt habe. Schließlich war Busold auf dem Heimweg vorausgefahren und hatte im Ort schon mal ein „paar Informationen gestreut“, dass die Männer sich nicht wegen eines Abstechers zum Korbacher Altstadtfestes – wie es erst hieß – verspäten würden.

Ernstes Nachspiel

Auch wenn die Episode später natürlich von Feuerwehrleuten und von Fastnachtern ausgiebig und humorvoll auf die Schippe genommen wurde, so hatte sie auch ein ernstes Nachspiel. Schließlich waren für mindestens zwei Stunden länger als geplant zwei Fahrzeuge der Rasdorfer Wehr nicht einsatzbereit. Allerdings stellt Busold auch klar: „Mit dem kleinen Setzelbacher Auto ist bei einem größeren Brand ohnehin nicht viel auszurichten.“
Gleichwohl hagelte es für die betroffenen Feuerwehrmänner Einträge in die Dienstakte, außerdem mussten sie bei Bürgermeister Berthold Körbel (CDU) antreten. Und der legte strikt fest, dass die Einsatzfahrzeuge künftig nach der Teilnahme bei Wettkämpfen oder ähnlichem sofort wieder an den Standort zurückkehren müssen.
Den sportlichen Kampfgeist der Setzelbacher Aktiven hat das Gespött der Kameraden aber offenbar angestachelt: Beim wenige Wochen später folgenden Landesentscheid in Rotenburg kamen sie unter 21 Teilnehmern auf Platz acht – und ließen auf dem Heimweg das „Hexenhäuschen“ lieber links liegen.

Von Johannes Heller


Quelle: Fuldaer Zeitung