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Personal: Hoher Krankenstand Zu wenig Beamte: Feuerwehrleute sehen ein Sicherheitsrisiko 157 neue Stellen gefordert. Behörde bestätigt Probleme, betont aber: Die Einsatzbereitschaft ist voll gegeben. Notstand bei der Feuerwehr: Fehlende Einsatzbeamte und hohe Krankenquoten machen den Rettern zu schaffen. Die Personalnot führt dazu, dass Löschzugbesatzungen kleiner als vorgeschrieben zu Feuern ausrücken müssen. Gewerkschafter befürchten ein Sicherheitsrisiko für ihre Kollegen und die Bürger. Feuerwehrchef Klaus Maurer schlug deshalb bereits bei Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) Alarm, forderte 157 neue Beamte. Doch dem Senator fehlt das Geld. Ist die Hamburger Feuerwehr nur bedingt einsatzbereit? "Nein", sagt Marco Haase, Sprecher der Innenbehörde. "Die Menschen können sich auch weiterhin darauf verlassen, dass die Feuerwehr da ist, wenn es brennt. Wer '112' wählt, kann sich darauf verlassen, dass die Feuerwehr kommt." Innerhalb der Feuerwehr wird der Personalnotstand deutlich kritischer gesehen. "Statt der vorgeschriebenen 16 Mann fahren immer häufiger nur 14 zu den Einsätzen", so Jan Ole Unger von der Ver.di-Fachgruppe Feuerwehr. "Da geht unsere Sicherheit flöten." Ein Insider berichtet, dass Kollegen bereits verletzt wurden, weil das Personal ausgedünnt war. Unger warnt: "Wenn sich an der Zahl der Beamten nichts ändert, kann das in Extremsituationen auch zu Lasten der Menschen gehen, die wir retten wollen." Das Problem: Gut 150 aller 1860 Hamburger Feuerwehrleute sind nach Abendblatt-Informationen nicht mehr einsatzbereit. Wegen Krankheiten, etwa Rückenleiden und Herz-Kreislaufproblemen, können sie zu Löscheinsätzen nicht mehr ausrücken. Hinzu kommt ein erhöhter Krankenstand. Dieser stieg innerhalb von zwei Jahren von knapp acht auf mehr als zehn Prozent. Das geht aus einer Senatsantwort auf eine Anfrage des SPD-Innenexperten Andreas Dressel hervor. Zum Vergleich: Die Krankenkassen DAK und AOK geben einen durchschnittlichen Krankenstand ihrer Hamburger Mitglieder mit drei und 4,6 Prozent an. Dass Feuerwehrleute häufiger krank werden als der Durchschnittsbürger, liegt an der schweren körperlichen Belastung. Für den Feuerwehr-Gewerkschafter Unger kommt ein weiteres Problem hinzu. "Immer weniger Kollegen müssen immer mehr Einsätze fahren." Ein Teufelskreis: "Durch die Mehrbelastung werden die auch schneller krank." Um diese Missstände weiß auch Feuerwehrchef Klaus Maurer. "Von der zusätzlichen Belastung müssen wir weg." Auch er ist mit den Fehlzeiten unzufrieden. Ein Sicherheitsproblem für die Hamburger sieht er jedoch nicht. "Das darf für den Bürger keine Konsequenzen haben und hat es auch nicht. Wenn ein Löschzug nicht ausreichend besetzt ist, fahren Kräfte von anderen Standorten los." Die von Maurer geforderten 157 zusätzlichen Feuerwehrleute wird es jedenfalls nicht allzu schnell geben. Die nicht mehr einsatzbereiten Feuerwehrleute verrichten nun Innendienst. Sie sollen die Feuerwehr verlassen und in anderen Behörden beschäftigt werden, damit ihre Stellen nachbesetzt werden können. Wie schnell das geht, dazu gibt es aus der Innenbehörde keine Informationen. Nur soviel: "Das Programm ist angelaufen. Es gibt intensive Gespräche mit anderen Behörden", so Innenbehördensprecher Haase. "Fakt ist aber auch, dass für jeden ausscheidenden Feuerwehrmann ein neuer eingestellt wird. Es wird also in keiner Weise gespart." Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Andreas Dressel macht für die Misere den Senat verantwortlich. Die "verfehlte Feuerwehrpolitik" sei nicht nur eine schwere Belastung für die Retter. Auch er sieht eine Gefahr für die Sicherheit. "Schade, dass die GAL, die in den vergangenen Jahren solidarisch an der Seite der Feuerwehr stand, hier noch keine Akzente gesetzt hat", so Dressel. "Wir fordern den schwarz-grünen Senat auf, ein Konzept auf den Tisch zu legen, das die Einsatzbereitschaft und den Betriebsfrieden wieder herstellt." erschienen am 18. Oktober 2008 |
Quelle: www.abendblatt.de