First Responder in der Feuerwehr

99/5/1
Im Rahmen der Besprechung der Kreis- und Stadtwehrführer am 23.2. in Rendsburg wurde mit dem Innenministerium (IV 33) auch über das Thema „First Responder“ und deren Rolle innerhalb der Feuerwehren gesprochen.

Ministerialrat Hans Schönherr (IV 33) hat dazu nunmehr folgende Feststellungen getroffen:

• First-Responder-Einsätze gehören nicht zu den Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren nach dem Brandschutzgesetz.

• Die Gemeinde hat die Entscheidung für die Aufstellung der First-Responder-Gruppen zu treffen und nicht die Feuerwehr. (Voraussetzung für die Übertragung einer solchen zusätzlichen freiwilligen Aufgabe ist gem. § 28 Nr. 3 GO eine Entscheidung der Gemeindevertretung)

• Wenn eine Gemeinde ihre öffentliche Einrichtung "Freiwillige Feuerwehr" außerhalb der gesetzlichen Zuständigkeiten für andere Aufgaben zur Verfügung stellt, haftet die Gemeinde selbst für die damit verbundenen Risiken

• Ob und wie sie dafür Versicherungen abschließt, ist Sache der Gemeinde

• Sofern feuerwehrfremde Personen bei First Responder-Einheiten mitmachen, werden sie dadurch auch nicht automatisch Feuerwehrangehörige

• First-Responder-Einsätze können nicht nach dem Brandschutzgesetz abgerechnet werden.

Quelle: Newaletter des Landesfeuerwehrverbandes Schelswig-Holstein vom 03. März 2009
Blaulicht-Reporter
gibt es außer in reinfeld eigendlich hier noch andere first-responder gruppen in den feuerwehren??
Christoph
In Stormarn soweit ich weiß nicht.

Vielleicht kann Herr 20/3 aus dem Nähkästchen plaudern falls das nicht zu intern ist. Mich interessiert da vor allem wie es mit den Ausbildungs- und Materialkosten gehandhabt wird.
Und wie sind die Einsätze versichert?
storm
Meine Lieblingsaussage ist diese hier:
First-Responder-Einsätze gehören nicht zu den Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren

Man sollte sich im klaren sein, was man sich aufbürgt wenn man mit sowas anfängt.

Das ganze FR System ist nur dazu da die Lücken im Regelrettungsdienst, die nicht verhältnismäßig mit hauptamtlichen Kräften gedeckt werden können zu schliessen.
Es wäre sicher nicht wünschenswert, dass sich solche Lücken vermehren, oder vergrößern, nur weil ja eine Feuerwehr da ist die sie schliessen könnte.

In wirklich akuten Fällen (Einzelfälle) kann ja grundsätzlich jede Feuerwehr zur Erstversorgung alarmiert werden, oder?

Ich frage mich immer warum z.B. in Bayern die FR meistens von den HiOrgs wargenommen werden, und im Norden eher von der Feuerwehr.
Blaulicht-Reporter
In Hamburg machen das viele Feuerwehr ja auch. Vielleicht kann ein Hamburger mal was dazu sagen.
MOK
Also bei uns in der Nachbargemeinde Sülfeld (Kreis Segeberg) gibt es auch so eine Einheit
KeiNeaHnuNg
Zitat:
Original von Blaulicht-Reporter
In Hamburg machen das viele Feuerwehr ja auch. Vielleicht kann ein Hamburger mal was dazu sagen.


in hamburg werden auch die hlf's der bf zur erstversorgung alamiert wenn der rtw etwas länger braucht, dort ist aber auch die zielsetzung innerhalb von 5 minuten personal beim patienten zu haben. die first responder kommen meines wissen nach hauptsächlich in den "randgebieten zum einsatz". dort wo kein hlf der bf oder ein rtw innerhalb der 5 minuten vor ort ist.
was ich sehr gut finde ist für den rtw immer sofort einweiser bereit stehen und die arbeit der kameraden dort ausgesprochen gut und professionel ist.

persönlich bin ich aber eigentlich der meinung, dass die ff diese rolle nicht übernehmen soll. ich finde das ist wie mit der hydrantenkontrolle. das ist nicht aufgabe der freiwilligen feuerwehr die rettungsdienstliche versorgung der bevölkerung zu gewährleisten. ich bin auch der meinung, dass sowas nicht durch das ehrenamt gedeckt werden sollte. aber das ist meine meinung dazu.

eine andere frage ist, wie soll sowas abgerechnet werden?
wer zahlt den einsatz der ff? der patient weil er die hilfe brauchte? oder der träger des rettungsdienstes weil er nicht in der lage war die rettungsfrist zu gewährleisten?

und was passiert mit dem geld?
Torben
Na wenn ich schon gebeten werde smile

In Reinfeld gibt es seit 01.10.2004 eine First-Responder-Gruppe, die bei Einsätzen mit Notarzt-Indikation in und um Reinfeld alarmiert wird, sofern der Reinfelder RTW nicht am Standort und kein anderer RTW in der Gegend ist.
Anfänglich gab es auch hier Bedenken von vielen Seiten, die Angst hatten man würde dem Rettungsdienst Einsätze wegnehmen oder gar Planstellen in den Rettungswachen Reinfeld und Bad Oldesloe reduzieren oder Neueinstellungen verhindern.
Mittlerweile sind aber alle Ängste verflogen und alle Beteiligten (Patienten, Einwohner, Rettungsdienst, Leitstelle und andere FF-Mitglieder, Politik) sind froh, dass es die Gruppe gibt. Wir rücken pro Jahr im Schnitt zu 30-35 Einsätzen aus, die meisten davon im Stadtgebiet Reinfeld. Die genauen Statistiken gibt es auf unsere Homepage zu sehen.

Ausbildungsmässig sind wir aus einem Notarzt als ärztlichem Leiter, diversen Rettungsassisten sowie qualifizierten Ersthelfern zusammen gesetzt.
Die Ausbildung (alle 14 Tage) wird von unserem Arzt oder den RA´s übernommen.
Die Mitglieder verpflichten sich, einmal im Jahr ein Praktikum auf dem RTW beim RVS zu machen, außerdem gibt es jährliche Kenntnisnachweise (Theorie und Praxis). Nur wer diese Anforderungen erfüllt bekommt die Schleife und darf mit ausrücken.
Alle anderen Mitglieder fahren keine Einsätze mit, haben aber die Chance an der Ausbildung teil zu nehmen. Diese kann ja auch schnell im privaten Bereich mal benötigt werden, und es ist gut wenn man sich dann sicher fühlt.
Es gibt natürliche keine Pflicht, in der Gruppe tätig zu sein. Genau wie unsere 14tägige Ausbildung mit dem bei uns stationierten GWG des Kreises stellen wir jedem Mitglied die Teilnahme frei.

Die First-Responder-Gruppe finanziert sich komplett aus Spenden, die wir regelmässig einsammeln gehen. Die Mitglieder haben sich verpflichtet, keinen Verdienstausfall geltend zu machen (Was ja nun laut LFV auch nicht mehr geht), die einzigen Kosten die der Stadt entstehen sind also die Kosten für die Benutzung des MTF sowie die Kosten für eine sogenannte "Mini-Kasko", die uns auf dem Weg zum Einsatz ähnlich dem KSA absichert. Für den Versicherungsschutz im Allgemeinen ist die Stadt zuständig. Inwieweit die vom LFV jetzt im Newsletter veröffentlichten Thesen hier etwas dran ändern kann ich nicht beurteilen, ich denke aber man wird eine Wehr mit First-Responder-Gruppe hier nochmal etwas detaillierter informieren als nur kommentarlos die Thesen im Newsletter zu veröffentlichen. Warten wir es ab...

Grundsätzlich kann ich sagen, dass wir (ich selbst bin auch Mitglieder der First-Responder) gerne diese Arbeit leisten. Ich persönlich habe gerne ein etwas größeres Wissen im Erste-Hilfe-Bereich, weil es ja auch wie o.g. jeden mal privat treffen kann.
Außerdem bringt es mir als Wehrführer und somit Einsatzleiter viel, wenn ich Kameraden aus der FR-Gruppe mit im Einsatz habe und es Personen zu betreuen gibt oder der RD Unterstützung braucht. Die Leute kennen sich auch auf den Geräten des RVS aus, können also auch mal alleine Sachen holen oder oder oder...
Natürlich ist es immer so, dass der Feuerwehreinsatz vorgeht, wenn also kein Personal frei ist kann ich auch keine FR´s abstellen. Genau so ist es, wenn zeitgleich ein FR-Einsatz und ein FF-Einsatz reinkommen, es wird dann auf jeden Fall der FF-Einsatz gefahren und der FR-Alarm wird in Absprache mit der IRLS "ignoriert".

Um den Punkt von Storm aufzugreifen :
Auch wir wären froh, wenn es keine Lücken im Rettungsdienst gäbe und immer innerhalb der Hilfsfrist der RTW vor Ort wäre. Nicht nur als Feuerwehrmann, sondern insbesondere als möglicher Patient. Und ich möchte nicht 20min auf den RTW aus Lübeck warten, der dann Dank Navi-Fehler auch noch die Straße nicht findet und und und.. (Alles schon da gewesen, wir haben schon bis zu 45min gewartet..).
Und jeder, der schon mal einen medizinischen Notfall in der Familie oder im Freundeskreis erlebt hat, weiß wie lange einem auch nur 10min vorkommen.
Durch unseren Einsatz wird die Hilfsfrist rein rechtlich nicht eingehalten, denn dies können nur für "richtige" Rettungsmittel. Daher können wir auch keinesfalls zum Lücken schließen benutzt werden. Wenn beim nächsten Gutachten für die RD-Versorgung herauskommt, dass in Reinfeld oder Umgebung eine Lücke ist, dann wird diese nicht durch die FR geschlossen...

Ich denke das war ein kurzer Einblick in unsere Arbeit.
Wer weitere Fragen hat kann mich gerne anmailen oder sich auf der o.g. Homepage ein Bild unserer Gruppe machen.

Eine Anmerkung meinerseits noch zur Entscheidung des LFV :
In meinen Augen ist ein FR-Einsatz sehr wohl ein Einsatz für die Feuerwehr, denn unser oberster Grundsatz lautet "Retten"...
Und wie Nils schon anmerkt, jede Wehr kann in diese Lage kommen, eine Erstversorgung fahren zu müssen. Dann habe ich lieber gut ausgebildetes und ausgerüstetes Personal.

P.S. In Köthel versucht man derzeit, auch eine FR-Gruppe ins Leben zu rufen
Stefan.Majohr
Vielen Dank für den Einblick und Organisation in die Arbeit Eurer FR-Gruppe.

Finde ich ich Klasse !!

Also rechtlich gesehen werfen sich (für mich ) keine Fragen mehr auf und wünsche Euch wenig Einsätze und wenn , viel Erfolg zum wohle des "Patienten"

Die Legislative lässt ehrenamtliches Engagement mal wieder im regen stehen und keiner hat den Ar.... in der Hose so etwas auf freiwilliger Basis zu Unterstützen , außer die Spender natürlich...


Oh oh , armes Deutschland.....
99/5/1
Zitat:
Original von Torben
...

Eine Anmerkung meinerseits noch zur Entscheidung des LFV :
In meinen Augen ist ein FR-Einsatz sehr wohl ein Einsatz für die Feuerwehr, denn unser oberster Grundsatz lautet "Retten"...

...


Kleine Korrektur: Der LFV hat diese Thesen zwar unkommentiert veröffentlicht, beruft sich hierbei aber auf Aussagen des Ministerialrat Hans Schönherr, die Aussagen kommen also vom Innenministerium, nicht vom Landesfeuerwehrverband!
Stefan.Majohr
Sag ich doch großes Grinsen
storm
Zitat:
Original von Torben
Um den Punkt von Storm aufzugreifen :
[...]
Durch unseren Einsatz wird die Hilfsfrist rein rechtlich nicht eingehalten, denn dies können nur für "richtige" Rettungsmittel. Daher können wir auch keinesfalls zum Lücken schließen benutzt werden. Wenn beim nächsten Gutachten für die RD-Versorgung herauskommt, dass in Reinfeld oder Umgebung eine Lücke ist, dann wird diese nicht durch die FR geschlossen...


Das ist schon klar. Nur könnte es sein, dass sich dieses im laufe der Jahre ändert. Alleine schon dadruch, dass bei den Verantwortlichen im bewusstsein der FR vorhanden ist der das schlimmste abwendet.
Deswegen muss man die ganze Sache auch im Auge behalten, um entsprechend Aufklärungsarbeit zu leisten (nicht in Reinfeld, oder Stormarn, sondern insgesamt als "die Feuerwehr").


Ich bin kein grundsätzlicher Gegner des FR Systems, aber man sollte möglichst verhindern, dass sich dies über die Zeit nicht zu den Pflichtaufgaben gesellt.
Prakti
Also ich habe zwei Erfahrungen mit dem FR System und den Erstversorger Wehren in HH gemacht, als ich noch bei einem großen privaten Rettungsdienst in HH gearbeitet habe.
1. KH-Entlassung mit KTW aus HH in ein Pflegeheim irgendwo bei Sülfeld, Kurz vor dem Zielort Zustandverschlechterung, NA nachgefordert. Leitstelle hat dann NA, RTW und die First Responder geschickt. Wozu? Ich meine die waren schnell und ich möchte die Kompetenz auch nicht in Frage stellen. Aber was sollten die bei uns? Die können nichts, was wir nicht auch gekonnt hätten.
Ich hoffe das klappt auf der Leitstelle mittlerweile besser.

2. Einweisung des Kassenärztlichen Notdienstes in HH Curslack ins KH. Der Zustand des Pat gab Notarztindikation, weswegen wir nachgefordert haben. Daraufhin haben uns die Angehörigen zu verstehen gegeben, dass man extra uns geholt hätte, damit nicht wieder ein "ganzer Löschzug bestehend aus Nachbarn" durch das Wohnzimmer marschiert. Auch sowas scheint also vorzukommen.
Bei uns hat die FEZ allerdings richtig geschaltet. Es kamen nur unser RTW und das NEF.

Was will ich damit sagen. Ich stehe der Sache relativ neutral gegenüber. Es muss aber professionell aufgezogen werde, dass kein ganzer Löschzug bestehend aus Nachbar durch das Wohnzimmer trampeln und der Einsatz sollte indiziert sein.
Nokiafan
Zitat:
Original von Torben
In Köthel versucht man derzeit, auch eine FR-Gruppe ins Leben zu rufen


siehe: http://koethel.de/index.php?option=com_c...d=187&Itemid=76
tt-racer
FR Köthel sind nach meinem neusten Kenntnisstand mit der Ausbildung komplett durch- allerdings hat man die Gruppe noch nicht einsatzbereit gemeldet, da die Versicherungsfrage noch nicht geklärt werden konnte.
Weiterhin hat man (hauptsächlich für die JF) einen MTW gebraucht beschafft (ex FF Wedel), dieser wird in den kommenden Tagen abgeholt und in einem neu errichteten Carport untergestellt.
In Köthel wird das ganze doch sehr positiv aufgenommen und gibt der Feuerwehr doch einige Möglichkeiten sich "weiterzuentwickeln" (auch bei den Mitgliederzahlen)
Köthel hat durch die "Randlage" auch sehr lange Anfahrtzeiten der Rettungsmittel- somit wahrscheinlich eine gute Ergänzung der Rettungskette!
Ottze
Kurze Frage meinerseits - FR Köthel:

Ist denn die Hürde beim Kreis Stormarn schon genommen ???

Gruß Otti
tt-racer
Darüber kann ich nichts sagen, mir wurde nur mitgeteilt, dass der Start nur wegen der Versicherungsfrage verschoben wurde!
Torben
Das ist auch mein letzter Stand.
Im Februar haben wir wie jedes Jahr auf einer Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses des Kreises Stormarn unseren Bericht vorgetragen, im selben Tagesordnungspunkt wurde auch der Antrag der FR Köthel behandelt.
Allerdings teilte die Ausschussvorsitzende nur mit, dass aufgrund der noch nicht geklärten Versicherungsfrage der Punkt verschoben wird..
mati69
So nach langem hin und her soll die FR Einheit in Köthel am 15 Mai 2009 ihren Dienst aufnehmen. Dieses wird allerdings noch seperat Angekündigt werden.
Die Fragen des Versicherungsschutzes sind geklärt dank kompetenter unterstützung eines Versicherungsmaklers.
Ausrüstung ist beschafft und einsatzbereit. Also alles wird gut. Nur welche Hindernisse einem in den weg gelegt werden ist wirklich ungleublich. Wer zu Thema FR Gründung und seiner Fallstricke weitere Informationen benötigt kann sich gerne an mich wenden. Ich werde dann diese anfrage an den entsprechnden AP bei uns in der Wehr weiterleiten.


Matthias