Na wenn ich schon gebeten werde
In Reinfeld gibt es seit 01.10.2004 eine First-Responder-Gruppe, die bei Einsätzen mit Notarzt-Indikation in und um Reinfeld alarmiert wird, sofern der Reinfelder RTW nicht am Standort und kein anderer RTW in der Gegend ist.
Anfänglich gab es auch hier Bedenken von vielen Seiten, die Angst hatten man würde dem Rettungsdienst Einsätze wegnehmen oder gar Planstellen in den Rettungswachen Reinfeld und Bad Oldesloe reduzieren oder Neueinstellungen verhindern.
Mittlerweile sind aber alle Ängste verflogen und alle Beteiligten (Patienten, Einwohner, Rettungsdienst, Leitstelle und andere FF-Mitglieder, Politik) sind froh, dass es die Gruppe gibt. Wir rücken pro Jahr im Schnitt zu 30-35 Einsätzen aus, die meisten davon im Stadtgebiet Reinfeld. Die genauen Statistiken gibt es auf unsere
Homepage zu sehen.
Ausbildungsmässig sind wir aus einem Notarzt als ärztlichem Leiter, diversen Rettungsassisten sowie qualifizierten Ersthelfern zusammen gesetzt.
Die Ausbildung (alle 14 Tage) wird von unserem Arzt oder den RA´s übernommen.
Die Mitglieder verpflichten sich, einmal im Jahr ein Praktikum auf dem RTW beim RVS zu machen, außerdem gibt es jährliche Kenntnisnachweise (Theorie und Praxis). Nur wer diese Anforderungen erfüllt bekommt die Schleife und darf mit ausrücken.
Alle anderen Mitglieder fahren keine Einsätze mit, haben aber die Chance an der Ausbildung teil zu nehmen. Diese kann ja auch schnell im privaten Bereich mal benötigt werden, und es ist gut wenn man sich dann sicher fühlt.
Es gibt natürliche keine Pflicht, in der Gruppe tätig zu sein. Genau wie unsere 14tägige Ausbildung mit dem bei uns stationierten GWG des Kreises stellen wir jedem Mitglied die Teilnahme frei.
Die First-Responder-Gruppe finanziert sich komplett aus Spenden, die wir regelmässig einsammeln gehen. Die Mitglieder haben sich verpflichtet, keinen Verdienstausfall geltend zu machen (Was ja nun laut LFV auch nicht mehr geht), die einzigen Kosten die der Stadt entstehen sind also die Kosten für die Benutzung des MTF sowie die Kosten für eine sogenannte "Mini-Kasko", die uns auf dem Weg zum Einsatz ähnlich dem KSA absichert. Für den Versicherungsschutz im Allgemeinen ist die Stadt zuständig. Inwieweit die vom LFV jetzt im Newsletter veröffentlichten Thesen hier etwas dran ändern kann ich nicht beurteilen, ich denke aber man wird eine Wehr mit First-Responder-Gruppe hier nochmal etwas detaillierter informieren als nur kommentarlos die Thesen im Newsletter zu veröffentlichen. Warten wir es ab...
Grundsätzlich kann ich sagen, dass wir (ich selbst bin auch Mitglieder der First-Responder) gerne diese Arbeit leisten. Ich persönlich habe gerne ein etwas größeres Wissen im Erste-Hilfe-Bereich, weil es ja auch wie o.g. jeden mal privat treffen kann.
Außerdem bringt es mir als Wehrführer und somit Einsatzleiter viel, wenn ich Kameraden aus der FR-Gruppe mit im Einsatz habe und es Personen zu betreuen gibt oder der RD Unterstützung braucht. Die Leute kennen sich auch auf den Geräten des RVS aus, können also auch mal alleine Sachen holen oder oder oder...
Natürlich ist es immer so, dass der Feuerwehreinsatz vorgeht, wenn also kein Personal frei ist kann ich auch keine FR´s abstellen. Genau so ist es, wenn zeitgleich ein FR-Einsatz und ein FF-Einsatz reinkommen, es wird dann auf jeden Fall der FF-Einsatz gefahren und der FR-Alarm wird in Absprache mit der IRLS "ignoriert".
Um den Punkt von Storm aufzugreifen :
Auch wir wären froh, wenn es keine Lücken im Rettungsdienst gäbe und immer innerhalb der Hilfsfrist der RTW vor Ort wäre. Nicht nur als Feuerwehrmann, sondern insbesondere als möglicher Patient. Und ich möchte nicht 20min auf den RTW aus Lübeck warten, der dann Dank Navi-Fehler auch noch die Straße nicht findet und und und.. (Alles schon da gewesen, wir haben schon bis zu 45min gewartet..).
Und jeder, der schon mal einen medizinischen Notfall in der Familie oder im Freundeskreis erlebt hat, weiß wie lange einem auch nur 10min vorkommen.
Durch unseren Einsatz wird die Hilfsfrist rein rechtlich nicht eingehalten, denn dies können nur für "richtige" Rettungsmittel. Daher können wir auch keinesfalls zum Lücken schließen benutzt werden. Wenn beim nächsten Gutachten für die RD-Versorgung herauskommt, dass in Reinfeld oder Umgebung eine Lücke ist, dann wird diese nicht durch die FR geschlossen...
Ich denke das war ein kurzer Einblick in unsere Arbeit.
Wer weitere Fragen hat kann mich gerne anmailen oder sich auf der o.g. Homepage ein Bild unserer Gruppe machen.
Eine Anmerkung meinerseits noch zur Entscheidung des LFV :
In meinen Augen ist ein FR-Einsatz sehr wohl ein Einsatz für die Feuerwehr, denn unser oberster Grundsatz lautet "Retten"...
Und wie Nils schon anmerkt, jede Wehr kann in diese Lage kommen, eine Erstversorgung fahren zu müssen. Dann habe ich lieber gut ausgebildetes und ausgerüstetes Personal.
P.S. In Köthel versucht man derzeit, auch eine FR-Gruppe ins Leben zu rufen