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Gestern kam es aufgrund der Tatsache, dass meine Freundin nächsten Samstag fast meine allererste „konkretere“ Freundin kennengelernt hätte, was sie nun aber nicht tut, weil meine Großcousine uns anlässlich ihrer Geburtstagsfeier doch lieber bei der Familie zum Nachmittag einplant und eben nicht zum vormittäglichen Brunch mit ihren Freunden … ähm … was? Ach diese verdammten Schachtelsätze! Also jedenfalls kam es zur Diskussion darüber, ob es in der DDR Aids gegeben hat. Fragt nicht! Oder fragt doch! Stichworte: erste Freundin, erstes Mal, Verhütung?
Ich vertrat vehement die Meinung, dass es in der DDR kein Aids gab. So von wegen, dass Aids zunächst mal in Amerika grassierte und sich dann über den Rest der Welt ausbreitete, aber eben nur bis zum eisernen Vorhang kam. Die Verbreitung von Aids setzt nunmal etwas intensiveren Körperkontakt (oder verseuchte Bluttransfusionen) voraus und die Mauer wirkte da wie ein riesiges Präservativ. Vielleicht auch eher wie ein Keuschheitsgürtel. Nur ab und zu vom Westen aus mal ein paar Bananen über den Zaun zu werfen eignete sich jedenfalls kaum zur HIV-Verbreitung. Ich zumindest kannte das Thema Aids nur aus dem Westfernsehen. Meine Freundin wollte das partout nicht glauben.
Also habe ich mich mal schlau gemacht und siehe da, so ein bischen Aids gab es in der DDR dann doch! Weil zum einen auch in der DDR afrikanische Studenten herum liefen, die sich ab Mitte der 80er aus durchaus begründeter Angst der DDR-Oberen sogar einem Aidstest unterziehen mussten und gnadenlos in die Savanne geschickt wurden, wenn dieser positiv ausfiel. Bis dahin hatte dann aber doch die eine oder andere ostdeutsche Studentin ihre Einzimmerbude im Studentenwohnheim zumindest vorübergehend mit schwarzem Ebenholz verziert. Vor allem aber gab es da von Westberlin aus eine gewisse Tourismusvariante, die unsereins eigentlich nur mit Thailand verbindet. Doch spätestens seit in der Westberliner Homo-Szene die Angst vor Aids umging, fuhr man eben öfter mal zum freizügigen Gedankenaustausch in den vermeintlich unverseuchten Osten.
Kurz um, im Jahr 1989 waren in der DDR 160 mit HIV-infizierte oder bereits an Aids erkrankte Personen erfasst. Das Triumphgeheul meiner Freundin klingelt noch immer in meinem Ohr. Also fing ich an, weiter zu recherchieren und zu rechnen:
Vergleich BRD zu DDR (Stand 1989)
Einwohner
62.099.000 zu 16.400.000
HIV-Infizierte
47.000 zu 160
Prozentualer Bevölkerungsanteil
0,076% zu 0,001%
Verhältnis Infizierter : Nichtinfizierter
1 : 1.321 zu 1 : 102.500
theoretisch Infizierte auf
11.800 Einwohner (Meine Geburtsstadt): 8,93 zu 0,12
41.900 Einwohner (Mein Geburtskreis): 31,72 zu 0,41
202.200 Einwohner (Kreis Stormarn): 153,07 zu 1,97
1.626.220 Einwohner (Hamburg): 1.231,05 zu 15,87
Im meinem gesamten Geburtskreis waren 1989 somit theoretisch nur 0,41 Personen mit HIV infiziert und in meiner Geburts- und damaligen Heimatstadt sogar nur ganze 0,12 Personen. Außerdem lebten die 1989 registrierten 160 Fälle nahezu ausschließlich in Ostberlin und obendrein war der absolute Großteil davon nicht an Frauen interessiert! Wie groß also bitte war für mich als Jugendlicher in meinem heterosexuellen Dasein, ohne bisherige Bluttransfusion und mitten in der mecklenburger Provinz die Wahrscheinlichkeit, mich bei einer gegenseitigen Entjungferung mit HIV zu infizieren?!? Auch wenn das Ganze – zugegeben – erst ein paar Monate später passierte, als ich die nicht vorhandenen Kondome schon mit DM hätte bezahlen müssen.
Entwaffnende Antwort meiner Freundin: Wir spielen doch auch Lotto, obwohl die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden höher ist, als einen Sechser zu landen! Da hat sie sicher Recht, aber die Wahrscheinlichkeit im Lotto fünf Richtige ohne Zusatzzahl zu tippen, ist fast doppelt so hoch, als es die Wahrscheinlichkeit war, sich 1989 in der DDR mit HIV zu infizieren (1 : 55.491)! Bei vier Richtigen mit Zusatzzahl ist die Wahrscheinlichkeit sogar fast fünf mal so hoch (1 : 22.197)!!!
Gut, das Ende vom Lied ist, dass sie mich uneinsichtig und einen schlechten Verlierer genannt hat. Ich werde es heute Abend mal mit der Wahrscheinlichkeit der Verbreitung von Marijuana in der DDR bei ihr versuchen. Dass es in der DDR kein Gras, kein Koks und kein Heroin gegeben hat, will sie nämlich auch nicht glauben …
Ich vertrat vehement die Meinung, dass es in der DDR kein Aids gab. So von wegen, dass Aids zunächst mal in Amerika grassierte und sich dann über den Rest der Welt ausbreitete, aber eben nur bis zum eisernen Vorhang kam. Die Verbreitung von Aids setzt nunmal etwas intensiveren Körperkontakt (oder verseuchte Bluttransfusionen) voraus und die Mauer wirkte da wie ein riesiges Präservativ. Vielleicht auch eher wie ein Keuschheitsgürtel. Nur ab und zu vom Westen aus mal ein paar Bananen über den Zaun zu werfen eignete sich jedenfalls kaum zur HIV-Verbreitung. Ich zumindest kannte das Thema Aids nur aus dem Westfernsehen. Meine Freundin wollte das partout nicht glauben.
Also habe ich mich mal schlau gemacht und siehe da, so ein bischen Aids gab es in der DDR dann doch! Weil zum einen auch in der DDR afrikanische Studenten herum liefen, die sich ab Mitte der 80er aus durchaus begründeter Angst der DDR-Oberen sogar einem Aidstest unterziehen mussten und gnadenlos in die Savanne geschickt wurden, wenn dieser positiv ausfiel. Bis dahin hatte dann aber doch die eine oder andere ostdeutsche Studentin ihre Einzimmerbude im Studentenwohnheim zumindest vorübergehend mit schwarzem Ebenholz verziert. Vor allem aber gab es da von Westberlin aus eine gewisse Tourismusvariante, die unsereins eigentlich nur mit Thailand verbindet. Doch spätestens seit in der Westberliner Homo-Szene die Angst vor Aids umging, fuhr man eben öfter mal zum freizügigen Gedankenaustausch in den vermeintlich unverseuchten Osten.
Kurz um, im Jahr 1989 waren in der DDR 160 mit HIV-infizierte oder bereits an Aids erkrankte Personen erfasst. Das Triumphgeheul meiner Freundin klingelt noch immer in meinem Ohr. Also fing ich an, weiter zu recherchieren und zu rechnen:
Vergleich BRD zu DDR (Stand 1989)
Einwohner
62.099.000 zu 16.400.000
HIV-Infizierte
47.000 zu 160
Prozentualer Bevölkerungsanteil
0,076% zu 0,001%
Verhältnis Infizierter : Nichtinfizierter
1 : 1.321 zu 1 : 102.500
theoretisch Infizierte auf
11.800 Einwohner (Meine Geburtsstadt): 8,93 zu 0,12
41.900 Einwohner (Mein Geburtskreis): 31,72 zu 0,41
202.200 Einwohner (Kreis Stormarn): 153,07 zu 1,97
1.626.220 Einwohner (Hamburg): 1.231,05 zu 15,87
Im meinem gesamten Geburtskreis waren 1989 somit theoretisch nur 0,41 Personen mit HIV infiziert und in meiner Geburts- und damaligen Heimatstadt sogar nur ganze 0,12 Personen. Außerdem lebten die 1989 registrierten 160 Fälle nahezu ausschließlich in Ostberlin und obendrein war der absolute Großteil davon nicht an Frauen interessiert! Wie groß also bitte war für mich als Jugendlicher in meinem heterosexuellen Dasein, ohne bisherige Bluttransfusion und mitten in der mecklenburger Provinz die Wahrscheinlichkeit, mich bei einer gegenseitigen Entjungferung mit HIV zu infizieren?!? Auch wenn das Ganze – zugegeben – erst ein paar Monate später passierte, als ich die nicht vorhandenen Kondome schon mit DM hätte bezahlen müssen.
Entwaffnende Antwort meiner Freundin: Wir spielen doch auch Lotto, obwohl die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden höher ist, als einen Sechser zu landen! Da hat sie sicher Recht, aber die Wahrscheinlichkeit im Lotto fünf Richtige ohne Zusatzzahl zu tippen, ist fast doppelt so hoch, als es die Wahrscheinlichkeit war, sich 1989 in der DDR mit HIV zu infizieren (1 : 55.491)! Bei vier Richtigen mit Zusatzzahl ist die Wahrscheinlichkeit sogar fast fünf mal so hoch (1 : 22.197)!!!
Gut, das Ende vom Lied ist, dass sie mich uneinsichtig und einen schlechten Verlierer genannt hat. Ich werde es heute Abend mal mit der Wahrscheinlichkeit der Verbreitung von Marijuana in der DDR bei ihr versuchen. Dass es in der DDR kein Gras, kein Koks und kein Heroin gegeben hat, will sie nämlich auch nicht glauben …