GPS an Bord – aber Retter dürfen es nicht einschalten

F98
Ratzeburg - Seit anderthalb Monaten haben die DRK-Rettungswagen ein Ortungsgerät an Bord. Eingeschaltet werden darf es aber nicht – aus Gründen des Datenschutzes.

Im Notfall kommt es manchmal auf wenige Minuten an, um einen verunglückten Menschen vor schwerem Schaden oder gar dem Tod zu bewahren. Das wissen alle, die im Rettungsdienst arbeiten. Deshalb sind sie ständig darum bemüht, jeden Patienten so schnell wie möglich zu erreichen. Aus diesem Grund sind vor anderthalb Monaten Ortungsgeräte in allen 21 Fahrzeugen des lauenburgischen DRK-Rettungsdienstes installiert worden. Mit diesem „Tom Tom Work“ lassen sich die Standorte der Wagen sofort erfassen, die Hilfe kann mittels GPS (Global Positioning System) schneller und effektiver auf den Weg gebracht werden. Nutzen dürfen die Rettungsassistenten die für etwa 20 000 Euro angeschaffte Technik bisher aber nicht.

Markus Hilchenbach, der Chef der Rettungsleitstelle für die Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn, begründete das in der jüngsten Sitzung des Kreisinnenausschusses mit datenrechtlichen Bedenken. Über das Ortungsgerät werden nämlich auch Patientennamen, Einsatzgrund und andere Fakten übermittelt. Die Frage ist, ob das vom Kreis mit dem Rettungsdienst beauftragte DRK diese elektronischen Daten erhalten darf. Hilchenbach sah Klärungsbedarf und schaltete deshalb in der vorvergangenen Woche das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz ein.

Beim Roten Kreuz in Ratzeburg löste das Empörung aus, und DRK-Geschäftsführer Martin Turowski machte aus seiner Verärgerung im Innenausschuss keinen Hehl. Er verweist unter anderem darauf, dass das Rote Kreuz die Einsatzdaten sowieso im Fahrtenbuch festhalten müsse – allerdings per Hand geschrieben. Turowski berichtete den Innenpolitikern, er habe sich bei anderen deutschen Rettungdiensten erkundigt und herausgefunden, dass es nirgendwo Probleme mit der Nutzung des Ortungssystems gebe.

Irritationen waren auch bei anderen Teilnehmern der Sitzung nicht zu übersehen. So zeigte sich Landrat Gerd Krämer verwundert über die Einschaltung der Datenschützer. Der Ausschussvorsitzende Norbert Brackmann (CDU) sprach von „riesigen Vorteilen“ des Ortungssystems bei Notfalleinsätzen: „Das erschreckt, wenn die Mittel zur Verfügung stehen, aber sich nichts tut.“

Ein Notfallpatient, der auf ganz schnelle Hilfe angewiesen sei, würde das nicht akzeptieren können, sagte der Unionspolitiker.

Möglicherweise lassen sich die Unstimmigkeiten jetzt doch noch kurzfristig klären. Heute soll ein Gespräch mit Datenschutzexperten stattfinden, an dem für den Kreis Herzogtum Lauenburg die Leitende Kreisverwaltungsdirektorin Dörte Kröpelin teilnimmt.

DRK-Kreisgeschäftsführer Martin Turowski zeigte sich im Gespräch mit den LN sicher über den Ausgang der Beratungen. Er sei davon überzeugt, dass die Bedenken aus der Rettungsleitstelle keine tatsächliche Grundlage hätten und es unverzüglich grünes Licht für die Inbetriebnahme der Ortungsgeräte gebe. Eine Betriebsvereinbarung zwischen dem DRK-Kreisverband und dem Betriebsrat über die Nutzung des Tom-Tom-Works-Systems ist seit Anfang Juni unterschrieben.
Von Martin Stein

Quelle
Cola Trinker
Das kommt halt davon, wenn man voreilig ein nicht abgestimmtes System kauft.
Xraywilli
Ich finde das ganze grotesk,

ist es nicht so das diese Daten schon bei Alarmierung des RD über DME übermittelt werden? ( In Stormarn ist es meines Wissens zumindest bei der FF so )

Die Datenschutzbedenken kenne ich bei meinem Arbeitgeber auch.
Hier sind die Servicewagen mit GPS ausgestattet um für Notdiensteinsätze und kurzfristige Aufträge besser einsteuern zu können.

Hierzu sendet das Auto per Handy die Infos an eine Leitstelle.
Also eine sichere Verbindung.....

Ich verstehe das ganze gerade nicht???
MOK
Bei größeren Speditionen ist das schon lange gang und gebe, und hier nicht nur um optimalere Routen zu planen...
Theo
Es ist wie so häufig, in der Presse steht nur die Hälfte (oder noch weniger) der Geschichte. Und die ist dann auch noch falsch dargestellt. kommt halt immer darauf an mit wem man spricht. Ausserdem geht es ja gar nicht um das senden von Daten, sondern deren Auswertung.
storm
Nachdem was man so über die professionelle Aauswertung von allen möglichen Daten bei dem einem oder anderem Unternehmen ließt, würde ich einer ständigen GPS Ortung auch kritisch gegenüber stehen.
Die Frage ist vieleicht ja auch ob der (Nachbar-)Kreis überhaupt solche personenbezogenen Daten von Mitarbeitern des DRK erhalten darf.

Das der "Kunde" natürlich nicht unerhebliche Vorteile hat lässt sich nicht abstreiten.
Talisker
Geht es bei den Bedenken um die Patientendaten oder die "Überwachung" der Fahrzeuge /Mitarbeiter?

Bei den Patientendaten via TOMTOM ist zu klären, ob der Weg zum Endgerät sicher ist ( sollte er sein). Der Auftragnehmer bekommt die Patientendaten auch über andere Wege (z Z.Funk Klartext (das ist noch bedenklicher?)). Ob und wie die Daten zur Abrechnung mit verwendet werden dürfen ist wohl eher der Diskussionspunkt ( wie kommen die Daten ins System des Abrechnenden...). Hier muß der Weg geklärt sein.. Wenn es da grössere Streitigkeiten gibt ist es fraglich, ob es eine sachliche oder persönliche Diskussion ist. Ich kenne eine kleine Stadt an der südwestlichen Kreisgrenze, in welcher das System (erfolgreich) in der Krankenbeförderung einsetzt wird.

Die Positionserfassung ist eine Möglichket, die der Arbeitgeber hat. Das er diese Daten auch der Leitstelle zur Verfügung stellt ist meine ich auch darf auch unbedenklich. Es gibt eine Vorausetzung die geklärt sein muss: der (vorhandener) Betriebsrat muß zustimmen. ( und der Mitarbeiter ist über diese Maßnahmezu informieren)
shifty
sorry bin zwar etwas aus dem ganzen raus...aber ich sag so..."lieber paar unnütze lebens daten zu viel!als kritische daten zu wenig....alles was schnell ist...kann nicht schnell genug sein um menschen leben zu retten!
Spitzmacher
Ich persönlich finde das eine sehr sinnige Investition, gerade im Bereich Fahrzeug Disponierung (welches Fahrzeug ist am nährsten dran)... Kann Zeit verkprzen und auch Leben retten in meinen Augen.
Selbstverständlich sollte man dabei im Auge behalten das die Mitarbeiter auf den Fahrzeugen nicht einer ständigen Kontrolle ausgesetzt werden. Weis ja nicht, kann man das System vielleicht nicht so konfegurieren das es mit einer ELS so funktioniert, das wenn der Disponen einen Einsatzort eingibt sich die Software alle GPS daten kurz Zieht und das am nächsten gelegene Fahrzeug zum Stopp ruft? So das der Disponen halt in ruhe alle Einsatzdaten eingibt und anschliesend an das Fahrzeug sendet? So wäre doch allen geholfen oder sollte ich mich irren? Im Besonderen den Notrufenden Personen. Natürlich sollte auch die Software bei drücken der 0 auf dem FMS die GPS Position sofort freischalten!

In diesem Sinne euch noch einen schönen Abend...
F98
Hab`hier noch etwas älteres zu dem Thema GPS gefunden...

Zitat:
In Planung ist für die Integrierten Regionalleitstelle Süd in Bad Oldesloe auch der Einsatz des Global Positioning System (GPS). Damit lassen sich die Einsatzfahrzeuge punktgenau orten. Der große Vorteil: „Die Disponenten können so bei Notfällen auf ihrem Bildschirm sehen, welcher Rettungswagen am dichtesten an der Einsatzstelle ist. Auch die Krankentransporte können mit Hilfe von GPS in Zeiten steigender Energiekosten wirtschaftlicher gestaltet werden“, so der Leiter der Leitstelle Markus Hilchenbach.


Stand: 03.08.2008

-> Quelle