Chemische Gefahrenabwehr: BBK übergibt Institut der Feuerwehr innovatives Fernerkundungssystem

99/5/1
Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, übergibt am 10. März 2006 dem Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt, Klaus Jeziorsky, ein Fernerkundungssystem für die chemische Gefahrenabwehr.

Das Erkundungsgerät kommt im Heyrothsberger Institut der Feuerwehr bei der so genannten Analytischen Task Force (ATF) zum Einsatz. Mit dem neuen Gerät ist es der ATF möglich, eine Gefahrstoffwolke aus einer Entfernung von bis zu fünf Kilometern zu orten und zu identifizieren. Die im Infrarotspektrum erfassten Schadstoffe werden identifiziert und in ein Videobild der Umgebung eingespielt. So wird den Einsatzkräften innerhalb weniger Sekunden ein Bild geliefert, das die Schadstoffwolke und deren Ausbreitung zeigt

„Moderne Ausstattung ist ein wichtiger Bestandteil des Katastrophenschutzes“, so Unger in Heyrothsberge. „Mit den Infrarot-Fernerkundungsgeräten stärkt der Bund das Engagement und die Leistungsfähigkeit der Länder. Heyrothsberge, als einer von vier Standorten des Pilotprojekts der Analytischen Task Force, hat mit seinem Engagement und seiner Eigeninitiative entscheidend zum bisherigen erfolgreichen Projektverlauf beigetragen.“, so der BBK-Präsident weiter.

In seiner Rede sah Innenminister Klaus Jeziorsky die Motivation der Beteiligten durch modernste Ausstattung gestärkt. „Eine gute Ausstattung garantiert der Bevölkerung Sicherheit und fördert die Motivation der aktiven Kräfte an der Basis.“

Im Rahmen eines vom BBK finanzierten Forschungsprojekts hat die Technische Universität Hamburg-Harburg das Infrarot-Fernerkundungsgerät (SIGIS II) entwickelt. Dem Institut der Feuerwehr steht damit ein innovatives und weitgehend automatisiertes Gerät mit einer anwenderfreundlichen Bedienersoftware zur Ver-fügung.

Ein besonderer einsatztaktischer Vorteil bei der Ferndetektion ist, dass die Erkundung außerhalb der Gefahrenzone stattfindet. Das gesundheitliche Risiko der Einsatzkräfte verringert sich damit erheblich. Denkbare Einsatzmöglichkeiten der Ferndetektion sind außer bei konkreten Schadensfällen die kontinuierliche Überwachung beispielsweise von chemischen Betrieben, Ballungsräumen oder auch Großveranstaltungen.

Bei der ATF handelt es sich um ein Pilotprojekt des BBK und der Länder zur Errichtung von chemisch-analytischen Schnelleinsatztruppen. Insbesondere bei Chemieunfällen, aber auch bei Terroranschlägen oder in der Folge von Waffenwirkungen können gefährliche Stoffe freigesetzt werden, die meistens zunächst nicht bekannt sind. Die Identifizierung unbekannter Substanzen oder von Gemischen erfordert eine komplexe Analysetechnik, die in aller Regel nur von hoch qualifiziertem Personal bedienbar ist. Insbesondere für die Interpretation der Messergebnisse sowie der sich daraus ableitenden medizinisch-toxikologischen Bewer-tungen und Empfehlungen ist Expertenwissen erforderlich. Dies sind Aufgaben der Analytischen Task Forces, die im Rahmen des Pilotprojekts zunächst an vier Standorten im Bundesgebiet eingerichtet worden sind: bei den Berufsfeuerwehren von Hamburg und Mannheim, beim LKA Berlin und dem Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt. Die dort bereits vorhandene analytische Ausstattung wird vom BBK hiermit durch weitere Hochleistungsanalytik aus Bundesmitteln erweitert.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nimmt neben den klassischen Aufgaben des Zivilschutzes wie beispielsweise der Warnung und Information der Bevölkerung, dem baulichen Zivilschutz, der Wassersicherstellung und dem Kulturgutschutz neue Aufgaben wahr. Als Servicestelle des Bundes un-terstützt es das Krisenmanagement der Länder insbesondere in den Bereichen Informationen und Koordination. Außerdem ist das BBK zuständig für die planerische Vorsorge zum Schutz kritischer Infrastrukturen, die Aus- und Fortbildung von Zivil- und Katastrophenschützern, den Ausbau der Katastrophenschutzforschung sowie der Katastrophenmedizin und für die Stärkung der bürgerschaftlichen Selbsthilfe. Zum Bundesamt gehört das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ), das im Herbst 2002 in Betrieb genommen wurde, sowie das Deutsche Notfallvorsorge-Informationssystem (deNIS).


Ausgabejahr: 2006
Erscheinungsdatum: 10.03.2006

Quelle: BBK

Anmerkung: Diese Presseerklärungen lesen sich immer gut. Nur schon eigenartig, dass in der Fläche bei den Einheiten vom Bund kaum noch Ausstattung ankommt.
JBT53
Hallo Claus,

das SIGIS 2 ist auch für uns recht interessant. Da dieses Gerät ebenso wie das GCMS ein gutes Fachwissen und Praxiserfahrung erfordet, wird es nur den wenigen ATF-Standorten vorbehalten bleiben.
Aber durch unsere Nähe zu Hamburg ist das ja kein Problem.

Hier mal ein paar Eigenschaften:
- Es können Schadstoffwolken in über 10km Entfernung detektiert und tw. identifiziert werden
- das Gerät ist sehr robust und kann während der Fahrt oder auch im Hubschrauber eingesetzt werden
- es werden ca. 16 Spektren pro s gemessen und qualitativ aufs Bild der Videokamera übertragen
- die Nachweisgrenzen sind sehr gering (außer für Methan und Kohlendioxid)
Generell ist die Nachweisgrenze abhängig vom Temperaturunterschied zwischen Gefahrstoffwolke und Hintergrund


Vorteile für uns:
- wir können unsere Erkunder gezielter einsetzen
- die Ausbreitung der Gefahrstoffwolke live verfolgen und so den Warnbereich schnell und sicherer festlegen.

Wichtig ist aber wie bei allen Meßgeräten, dass man die Einsatzgrenzen kennt um es optimal nutzen zu können. (Siehe auch. IMS und PID)
99/5/1
@JBT53

Da wir ja in diesem Jahr über unsere Messtaktik und -technik nachdenken wollen, ist dieses sicherlich mit einzubeziehen.

Wir werden mit Sicherheit auf Dein Fachwissen zugreifen. Aber die Vögel nehmen im Moment noch viel Zeit in Anspruch. traurig
Slartibartfass
Hab ich es nur überlesen, oder ist das hier noch nicht so Thema gewesen?

Ihr vom LZ-G seit ja jetzt unter die großen Vogelkundler gegangen. Berichtet doch mal.

P.S.: Ich hatte mich schon gewundert, daß wir nach all der Aufregung noch so garkeinen Vogel eintüten mußten.
99/5/1
Dann schau mal hier

Den Bereitschaftsdienst gibt es nicht mehr, aber wir sammeln weiter.