99/5/1
20-Jähriger schaufelte für die Feuerwehr, und nicht wie verlangt für das THW - Jetzt muss er zur Bundeswehr
von Franz Bergbauer
Deggendorf. Jeden Tag während der Schneekatastrophe im Landkreis Deggendorf war der 20-jährige Daniel Hauser aus Deggendorf mit der Feuerwehr Mietraching im Einsatz, schaufelte Dächer ab und bewahrte so etliche Hallen, Schulen und Sportstätten vor dem Einsturz. Jetzt bekam der junge Mann die Quittung für den selbstlosen Einsatz: Seine Freistellung vom Grundwehrdienst wurde widerrufen - am 3. Juli muss Daniel Hauser in Freyung einrücken. Der Grund: Daniel Hauser hatte sich im vergangenen Jahr für sechs Jahre dem Technischen Hilfswerk verpflichtet, so wollte er den Grundwehrdienst umgehen. Daraus wird nun jedoch nichts. Denn im Katastrophenfall hätte er für das THW tätig sein müssen - und nicht für die Feuerwehr.
Was auf den ersten Blick paradox erscheint, ist gültige Rechtslage. Daniel Hauser hat, so der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerkes (THW) in Deggendorf, Manfred Treske, gegen das Helferrechtsgesetz des THW verstoßen. Dieses Gesetz schreibe zwingend vor, dass Helfer dem THW im Einsatzfall auch zur Verfügung stehen müssten - und ein solcher Einsatzfall sei der Katastrophenalarm vom 8. bis 14. Februar im Landkreis Deggendorf gewesen. Trotz wiederholten Alarmierens sei Daniel Hauser nicht zum Dienst gekommen, stellt der Ortsbeauftragte fest. Daniel Hauser stellt den Sachverhalt anders dar: Bereits ab 7. Februar sei er mit der Feuerwehr im Einsatz gewesen, um unter anderem das Dach der einsturzgefährdeten Eishalle in Deggendorf von der Schneelast zu befreien. Katastrophenalarm im Landkreis Deggendorf ist aber erst am 8. Februar ausgerufen worden. „Als dann das THW bei mir zu Hause angerufen hat, um mich zu alarmieren, haben meine Eltern stets erklärt, dass ich bereits im Einsatz bin“, sagt der junge Kfz-Mechaniker. Von acht Uhr am Morgen bis in die späten Abendstunden war Daniel Hauser bis zum 14. Februar mit der Feuerwehr im Einsatz und schaufelte Dächer von Schulen und Turnhallen in Deggendorf und Umgebung ab. „Es müsste doch egal sein, ob ich für das THW oder für die Feuerwehr den Schnee von den Dächern schaufle“, betont Hauser.
„Das ist nicht egal“, stellt Manfred Treske vom THW Deggendorf fest. Wer sich beim THW verpflichte, der müsse im Katastrophenfall auch dem THW zur Verfügung stehen - andernfalls wäre die Hilfsorganisation nicht einsatzfähig. „Die Hälfte der knapp 63 THW-Helfer ist auch in der Feuerwehr engagiert. Wenn die alle mit den Feuerwehren ausrücken, dann wäre das THW Deggendorf im Katastrophenfall nicht einsatzfähig und damit der Auftrag als Katastrophenschutzeinheit des Bundes nicht erfüllt“, stellt der Ortsbeauftragte fest. Die Meldung Daniel Hausers an das Kreiswehrersatzamt sei auch aus Gründen der Wehrgerechtigkeit notwendig gewesen, so Treske.
46 von den 63 Aktiven und Reservehelfern des THW Deggendorf sind beim Katastrophen-Alarm im Einsatz gewesen. Unter den Helfern des THW in Deggendorf sind derzeit 26 Personen, die vom Wehrdienst freigestellt sind. Laut Treske ist es in den letzten Jahren wiederholt vorgekommen, dass vom Wehrdienst freigestellte Helfer des THW wieder dem Kreiswehrersatzamt gemeldet werden mussten. „Da sind einige nicht zum Dienst gekommen, ein anderer hat den Wohnungswechsel nicht gemeldet und war so für uns nicht mehr greifbar“, erläutert Treske.
Dass er gleich aus dem Dienst des THW entlassen wird, damit hat Hauser nicht gerechnet. Normalerweise, so der junge Mann, bekommt man da vorher eine Abmahnung. Dies sei aber nicht der Fall gewesen.
In der Feuerwehr ist Hauser seit seinem zwölften Lebensjahr - zunächst als Jungfeuerwehrmann und ab 18 Jahren in der aktiven Truppe. Vor kurzem hat er auch die Ausbildung zum Atemschutzträger absolviert.
Die Einberufung zum Wehrdienst schmeckt dem jungen Mann nicht. Am 3. Juli muss in er der 2. Kompanie des Gebirgs-Panzeraufklärungs-Bataillons in Freyung antreten. „Wenn ich gewusst hätte, dass alles so kommt, dann wäre es besser gewesen, gleich die Bundeswehr zu machen. Dann hätte ich das jetzt schon hinter mir“, stellt er fast resignierend fest.
Quelle: Passauer Neue Presse vom 23.3.06
Es klingt zwar etwas nach Prinzipienreiterei, aber das THW hat Recht. Doppelmitgieldschaften mögen ja aus persönlicher Sicht nachvollziehbar sein, aber im Ernstfall ist das ein echtes Problem. Aber da würden auch wir in Stormarn unser blaues Wunder erleben.
von Franz Bergbauer
Deggendorf. Jeden Tag während der Schneekatastrophe im Landkreis Deggendorf war der 20-jährige Daniel Hauser aus Deggendorf mit der Feuerwehr Mietraching im Einsatz, schaufelte Dächer ab und bewahrte so etliche Hallen, Schulen und Sportstätten vor dem Einsturz. Jetzt bekam der junge Mann die Quittung für den selbstlosen Einsatz: Seine Freistellung vom Grundwehrdienst wurde widerrufen - am 3. Juli muss Daniel Hauser in Freyung einrücken. Der Grund: Daniel Hauser hatte sich im vergangenen Jahr für sechs Jahre dem Technischen Hilfswerk verpflichtet, so wollte er den Grundwehrdienst umgehen. Daraus wird nun jedoch nichts. Denn im Katastrophenfall hätte er für das THW tätig sein müssen - und nicht für die Feuerwehr.
Was auf den ersten Blick paradox erscheint, ist gültige Rechtslage. Daniel Hauser hat, so der Ortsbeauftragte des Technischen Hilfswerkes (THW) in Deggendorf, Manfred Treske, gegen das Helferrechtsgesetz des THW verstoßen. Dieses Gesetz schreibe zwingend vor, dass Helfer dem THW im Einsatzfall auch zur Verfügung stehen müssten - und ein solcher Einsatzfall sei der Katastrophenalarm vom 8. bis 14. Februar im Landkreis Deggendorf gewesen. Trotz wiederholten Alarmierens sei Daniel Hauser nicht zum Dienst gekommen, stellt der Ortsbeauftragte fest. Daniel Hauser stellt den Sachverhalt anders dar: Bereits ab 7. Februar sei er mit der Feuerwehr im Einsatz gewesen, um unter anderem das Dach der einsturzgefährdeten Eishalle in Deggendorf von der Schneelast zu befreien. Katastrophenalarm im Landkreis Deggendorf ist aber erst am 8. Februar ausgerufen worden. „Als dann das THW bei mir zu Hause angerufen hat, um mich zu alarmieren, haben meine Eltern stets erklärt, dass ich bereits im Einsatz bin“, sagt der junge Kfz-Mechaniker. Von acht Uhr am Morgen bis in die späten Abendstunden war Daniel Hauser bis zum 14. Februar mit der Feuerwehr im Einsatz und schaufelte Dächer von Schulen und Turnhallen in Deggendorf und Umgebung ab. „Es müsste doch egal sein, ob ich für das THW oder für die Feuerwehr den Schnee von den Dächern schaufle“, betont Hauser.
„Das ist nicht egal“, stellt Manfred Treske vom THW Deggendorf fest. Wer sich beim THW verpflichte, der müsse im Katastrophenfall auch dem THW zur Verfügung stehen - andernfalls wäre die Hilfsorganisation nicht einsatzfähig. „Die Hälfte der knapp 63 THW-Helfer ist auch in der Feuerwehr engagiert. Wenn die alle mit den Feuerwehren ausrücken, dann wäre das THW Deggendorf im Katastrophenfall nicht einsatzfähig und damit der Auftrag als Katastrophenschutzeinheit des Bundes nicht erfüllt“, stellt der Ortsbeauftragte fest. Die Meldung Daniel Hausers an das Kreiswehrersatzamt sei auch aus Gründen der Wehrgerechtigkeit notwendig gewesen, so Treske.
46 von den 63 Aktiven und Reservehelfern des THW Deggendorf sind beim Katastrophen-Alarm im Einsatz gewesen. Unter den Helfern des THW in Deggendorf sind derzeit 26 Personen, die vom Wehrdienst freigestellt sind. Laut Treske ist es in den letzten Jahren wiederholt vorgekommen, dass vom Wehrdienst freigestellte Helfer des THW wieder dem Kreiswehrersatzamt gemeldet werden mussten. „Da sind einige nicht zum Dienst gekommen, ein anderer hat den Wohnungswechsel nicht gemeldet und war so für uns nicht mehr greifbar“, erläutert Treske.
Dass er gleich aus dem Dienst des THW entlassen wird, damit hat Hauser nicht gerechnet. Normalerweise, so der junge Mann, bekommt man da vorher eine Abmahnung. Dies sei aber nicht der Fall gewesen.
In der Feuerwehr ist Hauser seit seinem zwölften Lebensjahr - zunächst als Jungfeuerwehrmann und ab 18 Jahren in der aktiven Truppe. Vor kurzem hat er auch die Ausbildung zum Atemschutzträger absolviert.
Die Einberufung zum Wehrdienst schmeckt dem jungen Mann nicht. Am 3. Juli muss in er der 2. Kompanie des Gebirgs-Panzeraufklärungs-Bataillons in Freyung antreten. „Wenn ich gewusst hätte, dass alles so kommt, dann wäre es besser gewesen, gleich die Bundeswehr zu machen. Dann hätte ich das jetzt schon hinter mir“, stellt er fast resignierend fest.
Quelle: Passauer Neue Presse vom 23.3.06
Es klingt zwar etwas nach Prinzipienreiterei, aber das THW hat Recht. Doppelmitgieldschaften mögen ja aus persönlicher Sicht nachvollziehbar sein, aber im Ernstfall ist das ein echtes Problem. Aber da würden auch wir in Stormarn unser blaues Wunder erleben.
Ich denke nicht.
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